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#Science

CBD vs. THC: Was ist der Unterschied?

23/08/2022 9 MIN. LESEZEIT Ian Marschalleck
23/08/2022 9 MIN. LESEZEIT Ian Marschalleck

CBD und THC sind wohl die zwei prominentesten unter den über 100 Cannabinoiden, die aus der Hanfpflanze gewonnen werden. Ihren Ruhm haben die beiden Cannabinoide allerdings aus sehr unterschiedlichen Gründen erlangt: Ist THC als berauschende Komponente in Cannabis geradezu berüchtigt, macht CBD als praktisch nebenwirkungs- und rauschfreies Wundermittel von sich reden.-In diesem Artikel erfährst du, inwieweit diese beiden Inhaltsstoffe ihrem Ruf gerecht werden. Doch bevor wir auf die Unterschiede zwischen THC und CBD eingehen, zeigen wir dir, worum es sich bei den beiden Substanzen genau handelt und was sie gemeinsam haben.

Was ist THC bzw. CBD? – Gemeinsamkeiten von Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol

Wie schon erwähnt, werden Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) aus der Hanfpflanze (Cannabis sativa L.) gewonnen. Am größten ist die Konzentration beider Substanzen (und auch aller anderen Cannabinoide) in den Harztröpchen, die von den haarähnlichen Strukturen (Trichomen) auf der Oberfläche der weiblichen Hanfpflanze abgegeben werden. Hier befindet sich auch eine Gruppe chemischer Verbindungen, die sogenannten Terpene. Diese sind nicht nur für das Aroma der Hanfblüten zuständig, sondern entfalten zusammen mit den Cannabinoiden angeblich eine optimale Synergie: Den sogenannten “Entourage Effekt”.

Warum die Pflanze so viel Energie und Nährstoffe in die Produktion dieser Cannabinoide steckt, ist noch nicht vollständig geklärt, meist wird jedoch eine Schutzfunktion angenommen. Das Harz, so die Vermutung, fungiert durch seine chemischen Eigenschaften (hohe Viskosität, wasserabweisend, nicht kristallisierend) als Schutz gegen Wasserverlust, vor Fressfeinden (Insekten) oder auch vor starker UV-Strahlung. Einig sind sich die Forscher hier jedoch noch keineswegs und es ist ungewiss, ob diese Frage jemals vollständig geklärt werden kann.

Cannabis: Wirkung und Bedeutung von CBD und THC 

Chemisch betrachtet liegen beide Substanzen nah beieinander. So nah, dass sich sogar ihre Summenformeln gleichen: beide haben 21 Kohlenstoff-, 30 Wasserstoff- sowie 2 Sauerstoffatome (C21H30O2) und sind damit sog. Isomere, die sich lediglich in der Verknüpfung (und räumlichen Anordnung) der Atome unterscheiden: Bei CBD ist einer der Kohlenstoffringe geöffnet.

Der Unterschied zwischen THC und CBD ist also auf dieser Ebene ziemlich klein, hat aber eine große Wirkung – im Folgenden bekommst du einen kleinen Überblick über die wichtigsten Bereiche, in denen sich die beiden Cannabinoide unterscheiden. Neben der chemischen Struktur zählen hierzu vor allem Pharmakologie und medizinisches Potenzial, Nebenwirkungen beider Cannabinoide und, nicht zuletzt, deren Rechtsstatus und Legalität.

Was ist CBD?

Cannabidiol (CBD) ist das mengenmäßig am häufigsten auftretende Cannabinoid in sogenannten Nutzhanfsorten bzw. Sorten vom Typ III (CBD-dominante Sorten ohne nennenswerte Mengen an THC). CBD wirkt jedoch nicht berauschend! Für die Rauschwirkung, das „High“, ist THC verantwortlich. Obwohl sich die chemischen Strukturen fast gleichen, bindet sich CBD im Gegensatz zu THC nur sehr schwach an die „klassischen” Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2. Genaugenommen sieht es sogar so aus, als würde CBD diese derart beeinflussen, dass es die Bindung von THC negativ beeinflusst.

Die Wirkung von Cannabidiol

Durch diese und vermutlich weitere, zum Teil noch unbekannte Mechanismen kann CBD auf vielfältige Weise pharmakologisch in Aktion treten. In der Literatur gibt es mittlerweile zahlreiche Belege für antikonvulsive, entzündungshemmende, antioxidative, antipsychotische, angstlösende und weitere Effekte von CBD. Diese sind auch Grundlage für die neuroprotektive Wirkung von CBD, was eine Anwendung zur Behandlung entsprechender Symptome und Krankheitsbilder plausibel erscheinen lässt.

Dazu gehören neurologische bzw. neurodegenerative Erkrankungen, wie Epilepsie, Parkinson, ALS, Morbus Huntigton, Alzeimer und multiple Sklerose. Doch so spektakulär das alles klingen mag – im Unterschied zu vielen Standardmedikamenten steckt die Forschung leider noch in vielen Bereichen in den Kinderschuhen.

Hier gibt's einen tieferen Einblick in die Studienlage zum Thema CBD.

Was ist THC, Dronabinol beziehungsweise THC-COOH?

Obwohl die medizinische Verwendung von THC-haltigem Cannabis für viele Menschen heute schon zur Normalität gehört, ist Cannabis immer noch hauptsächlich für seine berauschende Wirkung bekannt und stigmatisiert. Dies wird häufig vollkommen überspitzt dargestellt. Dennoch ist es unbestritten, dass Cannabis eine sehr starke psychoaktive Droge sein kann.

Hauptverantwortlich für diesen Effekt ist vor allem eine Substanz: Tetrahydrocannabinol, kurz THC. Die Pharmakologie von THC ist seitens der Medizin vergleichsweise gut untersucht. In Reinform erstmals 1964 von der Forschergruppe um den mittlerweile legendären Raphael Mechoulam isoliert, gibt es mittlerweile deutlich über 100 klinische Studien, welche die Wirkungen von THC-haltigem Cannabis oder von THC als Einzelsubstanz untersuchen.

Unterschiedliche Bezeichnungen können dabei für Verwirrung sorgen. In den Studien werden zum Beispiel die Begriffe Dronabinol oder THC-COOH verwendet. Dabei handelt es sich lediglich um Synonyme für THC. Beim THC-COOH Wert wird beispielsweise primär ein Abbauprodukt von THC gemessen, das Rückschlüsse auf das Konsumverhalten zulässt.

DIE WIRKUNG VON THC

Analog zu CBD in der Hanfpflanze des Typ III (CBD-dominant), ist THC das Cannabinoid, welches in der Pflanze des Typ I am häufigsten vorkommt und für diese charakteristisch ist. Im Unterschied zu CBD weist THC eine hohe Affinität für die Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2 auf, d. h. dass es mit diesen Rezeptoren eine starke Bindung eingeht.

Durch Bindung speziell an diese beiden Rezeptoren übt THC auch seine modulierende Wirkung in den Bereichen Schmerz, Spastizität, Sedation, Appetit und Stimmung aus. Darüber hinaus kann THC die Bronchien erweitern, juckreizstillend und entzündungshemmend wirken.

Schon frühe Studien konnten zeigen, dass THC dann am wirksamsten war, wenn es nicht allein, sondern im Verbund mit anderen in der Cannabispflanze enthaltenen Substanzen (z. B. in Form eines Cannabis-Vollextrakts) verabreicht wurde. Dadurch wurden in Studien nicht nur gewünschte Effekte verstärkt, sondern unerwünschte Nebenwirkungen im Körper zum Teil abgeschwächt.

Das alles und zahlreiche anekdotische Berichte von Konsumenten, Patienten und Medizinern deuten darauf hin, dass die verschiedenen in Cannabis enthaltenen pharmakologisch wirksamen Substanzen eine optimale Synergie entwickeln können, die als „Entourage-Effekt“ bezeichnet wird – endgültig konnte dieser Effekt aber bis heute noch nicht nachgewiesen werden, weder bei THC noch bei Cannabidiol.

Gummibärchen, Öl, Vape oder Tropfen: Nebenwirkungen von Cannabisprodukten

Wenn wir über diese beiden natürlichen Cannabinoide in Cannabis sprechen, müssen wir auch die möglichen Nebenwirkungen von THC und CBD ansprechen. Produkte, die auf ihnen basieren, können nicht nur Auswirkungen auf unser körperliches Wohlbefinden, sondern auch auf unser ganzes Leben haben.

 

WELCHE NEBENWIRKUNGEN HAT CBD?

Cannabidiol wird oft als nebenwirkungsfrei bezeichnet. Auch wenn das für die allermeisten Menschen, die CBD einnehmen, zutrifft, werden in der Literatur einige unerwünschte Nebenwirkungen beschrieben. Davon sind die häufigsten Müdigkeit und Durchfall. In Studien, in denen der Einsatz von CBD zur Behandlung von Epilepsie untersucht wurde, kam es in einigen Fällen auch zu ernsteren Nebenwirkungen, wie z.B. Krämpfen und Fieber. Auch von abnormalen Leberwerten wurde berichtet.

Allerdings litten die Teilnehmer dieser Studien, oft Kinder, unter schweren und behandlugsresistenten Formen von Epilepsie und erhielten neben CBD noch weitere Medikamente, z. B. Clobazam. Da die entsprechenden Inhaltsstoffe wie Cannabidiol in der Leber abgebaut werden, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Nebenwirkungen in diesen Fällen zumindest teilweise durch Wechselwirkungen zwischen verschiedenen, gleichzeitig eingenommenen Medikamenten zustande gekommen sind.

GÄNGIGE DOSIERUNGEN IN STUDIEN VS. ERHÄLTLICHES CBD-ÖL

In Studien werden in der Regel sehr viel höhere Mengen CBD verabreicht, als die, die beispielsweise durch sachgemäße Anwendung eines freiverkäuflichen CBD-Öls zustande kommen. So wurden in einer Studie bis zu 50 mg CBD pro kg Körpergewicht des Patienten und pro Tag verabreicht. Bei einem Patienten, der 75 kg Körpergewicht auf die Waage bringt, wären das also immerhin 3.750 mg CBD pro Tag, während mit der Dosierungsempfehlung gängiger freiverkäuflicher CBD-Öle 20mg CBD pro Tag nicht überschritten werden.

Trotz solcher vergleichsweise hohen Dosierungen ist bemerkenswert, dass die Nebenwirkungen in den allermeisten Fällen mild bis moderat und transient, also nur vorübergehend waren. Vor allem aber im Vergleich mit anderen, standardmäßig verwendeten Medikamenten, besticht CBD durch ein außergewöhnlich gutes Nebenwirkungsprofil.

Und auch wenn es in Sachen Forschung noch einige Lücken zu schließen gibt: Aktuell liegen keine Hinweise vor, die ernsthaft daran zweifeln lassen, dass es sich bei CBD insgesamt um einen sicheren Inhaltsstoff mit einem vorzüglichen Nebenwirkungsprofil handelt.

WELCHE NEBENWIRKUNGEN HAT THC?

Im Unterschied zu CBD ist THC bzw. THC-reiches Cannabis vor allem wegen seiner Nebenwirkungen berüchtigt. Das typische „High“-Gefühl, also der oft mit Cannabis assoziierte Rauschzustand, ist im Grunde nichts anderes als eine (oft bewusst) durch Überdosierung herbeigeführte Nebenwirkung bzw. eine Kombination verschiedener Nebenwirkungen. Die therapeutische Dosis, also die Dosis, bei der ein gewünschter therapeutischer Effekt eintritt, ist in vielen Fällen schon vorher erreicht.

Grundsätzlich kann man, wenn es um die Nebenwirkungen von THC geht, zwischen psychoaktiven und physiologischen Effekten unterscheiden.

HOHER THC-GEHALT: WIE ÄUßERN SICH DIE NEBENWIRKUNGEN BIS ZUM ABBAU?

Viele der psychoaktiven Nebenwirkungen (z. B. leichte Euphorie) werden oft als angenehm und entspannend beschrieben. Allerdings kann dieses Gefühl schnell kippen – vor allem höhere Dosen THC können Dysphorie, Angstzustände und, gerade bei unerfahrenen Konsumenten, sogar Panikattacken verursachen. Auch die Gedächtnisleistung, Zeitwahrnehmung und psychomotorische Fähigkeiten können vorübergehend beeinträchtigt sein.

Häufige körperliche Nebenwirkungen sind vor allem Schwindel und Benommenheit (Sturzgefahr!), ein trockener Mund, Husten (nach Inhalation), Müdigkeit, ein erhöhter Puls, orthostatische Hypotonie (der Effekt, der auftritt wenn man nach längerem Liegen oder Sitzen zu schnell aufsteht), Entspannung der Muskeln (über ein gewünschtes Maß hinaus) und erhöhter Appetit. Bei gefährdeten Personen kann THC außerdem das Risiko eines Myokardinfarkts erhöhen. Die meisten dieser Nebeneffekte (v. a. Müdigkeit, Schwindel, Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem und auch psychoaktive Effekte) nehmen im Verlauf einer längeren Behandlungsdauer ab, da eine Toleranz entwickelt wird.

Je nach Situation kann der ein oder andere selbst das noch als angenehm empfinden; meistens werden diese Nebenwirkungen jedoch als eher störend wahrgenommen. Die gute Nachricht: Sobald die Wirkung des THC nachlässt, ist in aller Regel auch von den Nebenwirkungen nichts mehr zu spüren.

THC UND SCHIZOPHRENIE

Bei einigen Individuen kann es jedoch auch zu ernsteren Problemen kommen. Immer wieder gibt es Berichte von Patienten, bei denen alles darauf hindeutet, dass der Konsum von THC-haltigem Cannabis zur Ausprägung einer schizophrenen Psychose geführt hat. Allerdings: Eine Studie, die den Zusammenhang zwischen Schizophrenie und Cannabiskonsum näher untersuchte, bestätigte zwar eine starke Korrelation, also ein häufiges gemeinsames Auftreten von Cannabiskonsum und Schizophrenie. Es gab jedoch deutlich stärkere Hinweise darauf, dass eine entstehende Schizophrenie zu Cannabiskonsum führt, als umgekehrt.

Die Theorie dahinter: Patienten, die unter leichten Symptomen leiden, die der eigentlichen Schizophrenie vorangehen (sog. Prodrome), neigen zu einer unbewussten Selbstmedikation mit Cannabis. Doch auch diese Untersuchung kommt zu keinem endgültigen Ergebnis, außer, wie so oft, dass weitere Untersuchungen nötig sind. Fest steht, dass gerade bei Einnahme von Produkten mit hohem THC-Gehalt und/oder einer Vor- oder Familiengeschichte mit psychischen (v. a. psychotischen) Störungen höchste Vorsicht geboten ist.

REDUZIERT CBD UNERWÜNSCHTE NEBENEFFEKTE VON THC?

In Übereinstimmung damit wird oft berichtet, dass CBD das Auftreten einiger, vor allem unerwünschter, Nebeneffekte von THC reduzieren, wenn nicht gar verhindern kann. Die pharmakologischen Effekte des CBD kommen also über andere Mechanismen zustande. So zum Beispiel über eine Bindung an eine Reihe anderer Rezeptoren (z.B. TRPV1 und 5-HT1A) oder indem es die Signalleitung über Adenosin-Rezeptoren verstärkt.

Eine Theorie besagt außerdem, dass das Cannabinoid CBD als FAAH-Inhibitor fungiert. Das Enzym FAAH wiederum ist unter anderem für den Abbau der körpereigenen (Endo-)Cannabinoide zuständig. Wird das Enzym inhibiert, also in seiner Funktion gehemmt, kann es seiner Arbeit nicht mehr nachgehen. Die Folge: die Konzentration körpereigener Cannabinoide steigt.

FAZIT: THC VS. CBD – UNGLEICHE GESCHWISTER

Wir haben gelernt: chemisch betrachtet sind sich die Cannabinoide THC und CBD zum Verwechseln ähnlich und es gibt kaum Unterschiede. Auch der Ort ihrer Entstehung, die Cannabispflanze, ist derselbe und beide werden – oft erfolgreich – zur Behandlung verschiedener Krankheiten und Symptome eingesetzt. Doch das war es dann auch schon an Gemeinsamkeiten.

Während der Wirkstoff THC für seine psychoaktive Wirkung berüchtigt ist, lässt sich diese mit CBD sogar teilweise reduzieren. Cannabidiol allein wirkt hingegen selbst in großen Mengen nicht berauschend. THC-haltige Produkte wie entsprechende Cannabisblüten und -extrakte sind, soweit nicht per BtM-Rezept vom Arzt verordnet, in Deutschland allerdings illegal. Wer sie jedoch auf Rezept erhält, für den gelten die gleichen Freiheiten und Einschränkungen wie für jeden anderen Patienten, der ärztlich verordnete Betäubungsmittel einnimmt.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen THC und CBD?

Beide Stoffe werden aus der Hanfpflanze gewonnen und gehören zur Gruppe der Cannabinoide. Dennoch unterscheiden sich CBD und THC in ihrer chemischen Struktur. Dadurch erzielen sie auch unterschiedliche Wirkungen und bieten unterschiedliche medizinische Potenziale. Auch ihr Rechtsstatus unterscheidet die beiden Substanzen.

Wie viel THC ist in CBD erlaubt?

CBD wird aus Nutzhanfpflanzen gewonnen, die weniger als 0,2% THC enthalten. CBD-Produkte, die diesen Grenzwert nicht überschreiten, sind hierzulande frei verkäuflich. Bei den Produkten von VAAY liegt der THC-Gehalt sogar bei unter 0,01%.

Hat CBD die gleiche Wirkung wie THC?

Nein, während THC psychoaktiv ist und berauschend wirken kann, ist das bei CBD nicht der Fall. Unter anderem wird oft berichtet, dass CBD die unerwünschten Nebeneffekte von THC reduzieren oder gar verhindern kann. Zudem werden CBD entzündungshemmende, antipsychotische und angstlösende Effekte nachgesagt. Auch wenn THC für seine Rauschwirkung bekannt ist, wird es auch in der Medizin verwendet. So beispielsweise in den Bereichen Schmerzen, Appetit und Stimmung.

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